| Der Norden Nigerias war in der Vorkolonialzeit islamisch geprägt und die politische Macht hatten zentralisierte islamische Herrschaften. Der Süden war vielfältiger mit verschiedenen ethnischen Gruppen und politischen Systemen. Die Yoruba hatten eine komplexe städtische Kultur, während die Igbo keine Zentrale Autorität hatten. | ![]() |
![]() | 1900 übernahm die britische Regierung die Verwaltung der Gebiete, die der «Royal Niger Company» unterstehen, selbst. Dann gründete ein britischer Kolonialbeamter ein südliches und nördliches Protektorat, die 1914 zusammengeschlossen wurden. Nigeria wurde zu einer kolonialen Adminstrationseinheit, was der Beginn einer Nation war. |
Nigeria war allerdings nicht politisch homogenisiert, sondern die Stämme wurden von den Häuptlingen geführt. Da die Ibos keine Häuptlinge haben, wurden ihnen «warrant chiefs» zugeordnet.
Vor allem im Norden wurde eine indirekte Herrschaft geführt, bei der sie lokale islamische Häuptlinge einsetzten. Sie griffen nicht so stark in die sozialen und kulturellen Systeme ein und förderten kaum westliche Bildung, um die traditionellen Machtstrukturen zu erhalten. Dadurch blieb der Norden wirtschaftlich weniger entwickelt und war stärker auf traditionelle Agrarwirtschaft angewiesen. Denn die Kolonialherren waren nur beschränkt an der Vermittlung von Wissen und Kultur interessiert, sie wollten sich von den Einheimischen abgrenzen. Ausserdem wären die Kolonialgesellschaften dann nicht mehr unterentwickelt und würden nicht mehr als Untertanen dienen.
Während der Norden von der modernen Welt isoliert wurde, entwickelte sich im Süden eine Schicht modernisierter Afrikaner. Am meisten fortgeschritten waren die Yoruba da sie als frühe Christen Teil der «Sierra Leoneans» waren. Im Süden war die britische Präsenz also direkter. Die Briten führten Verwaltungsreformen durch, bauten Infrastrukturen und förderten den Handel. Sie griffen stärker in die traditionellen Strukturen ein und unterstützten Missionare bei der Errichtung von Schulen und der Verbreitung des Christentums. Durch die westliche Bildung entstand eine neue Elite.
Am ärmsten war das Volk der Igbo, das sich erst in den 30er Jahren weiterentwickelte. Der zurückgebliebene Norden begann erst 1950 ihren Rückstand aufzuholen.
Das System der indirekten Herrschaft schwächte traditionelle Strukturen und führte zu neuen Machtkonstellationen, die langfristige politische Instabilität verursachten. (Q1, GB, Q9)

